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Keine Spur von Abenteuer

Staßenkinder in Österreich

Kaum zu glauben: In Österreich leben ein paar tausend Kinder und Jugendliche auf der Straße. In den Einrichtungen der Caritas finden sie Schutz und Geborgenheit.

Man kennt sie von Hauptstädten in Osteuropa, von afrikanischen Metropolen, von Slums in Asien und Lateinamerika. Von Österreich kennt man sie kaum. Und dennoch gibt es sie. Ein paar tausend Kinder und Jugendliche leben hier zu Lande zumindest zeitweise auf der Straße, schätzen ExpertInnen. Wie viele es wirklich sind, weiß keiner so genau.

Treibt in ärmeren Ländern in der Regel die bittere materielle Armut junge Menschen auf die Straße, ist es in Österreich vor allem die seelische Not: Häusliche Gewalt, eine zerrüttete oder lieblose Familiensituation. „Multifaktorielle Problematiken“ nennt die Fachsprache den Wust an Problemen, die die jungen Leute dann meist mit sich herumschleppen: Zur abgebrochenen Schule oder Lehre gesellen sich oft Schulden, frühe Schwangerschaften oder psychische Erkrankungen.

Suchtmittel sind „Trost“ in der ausweglos erscheinenden Lage. Was bleibt ist ein Leben in Abbruchhäusern oder auf Parkbänken. Missbrauch durch Erwachsene, die sich diese Not zunutzen machen, gehört dann zum Lebensalltag.

Von „Abenteuerromantik“ eines Lebens auf der Straße ist nichts zu spüren, wenn die Jugendlichen in unseren Einrichtungen eintreffen. Mit „a_way“ (10 Plätze, 2 Notbetten) ist in Wien, in Kooperation mit dem Jugendamt und der Drogenhilfe, eine Notschlafstelle für Jugendliche entstanden, in der die Betroffenen anonym bleiben können – ein wichtiger Aspekt für jene, die mit Erwachsenen bisher sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben und sich deshalb fürchten, in Institutionen der Jugendwohlfahrt ihre Identität preiszugeben. Exit7, die Jugendnotschlafstelle der Caritas in Salzburg bietet rund 120 Mädchen und Burschen im Jahr die Möglichkeit, wieder Land zu gewinnen. In Graz erhalten junge Menschen im „Schlupfhaus“ sozialarbeiterische Betreuung, Essen und ein Dach über dem Kopf.

Gemeinsam mit den Jugendlichen ihnen wieder ein Stückchen Boden unter den Füßen zu sichern ist neben der Grundversorgung die Hauptaufgabe der Caritas. Schritt für Schritt werden Einstiege in das Arbeitsleben erprobt, werden nach Möglichkeit Schulabschlüsse nachgeholt oder einfach das Heranführen an höherschwellige Einrichtungen trainiert.

Die Caritas setzt sich auch im Ausland für Straßenkinder ein: In Tageszentren und Kinderheimen, Notschlafstellen und Ausspeisungen. Ob in Österreich, Moldawien, der Ukraine, Ägypten, oder dem Sudan – überall machen wir die gleiche Erfahrung: Selbst unter den schwierigen Bedingungen schaffen nicht wenige den Weg in ein besseres Leben. Die Mühen lohnen sich.

Caritas-Präsident Franz Küberl

 
FONDA | LIMESODA